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Die senegalesische Schriftstellerin Ken Bugul hat ein halbes Jahr in Zürich gelebt – Vor der Abreise erzählt sie davon

Die senegalesische Schriftstellerin Ken Bugul hat ein halbes Jahr in Zürich gelebt – Vor der Abreise erzählt sie davon

«Afrika überlebt dank der Frauen», sagt die senegalesische Autorin Ken Bugul. In Zürich erzählt die Mitarbeiterin einer NGO, am 13. Dezember, über das Leben in Westafrika, was die Menschen dort bewegt und was sie während des halbjährigen Aufenthaltes in Zürich erlebt hat. Ihre Schilderungen finden im Rahmen der Veranstaltung «Unruhe über Mittag» statt.

Zehn Romane hat die Autorin, Ken Bugul bereits verfasst und in mehr als dreissig afrikanischen Ländern hat sie gelebt. Am «Gespräch über Mittag» vom 13. Dezember in Zürich (leider ausverkauft) – und kurz vor ihrer Abreise – wird sie ein weiteres Land hinzufügen können, denn Ken Bugul verbrachte nun ein halbes Jahr in der Schweiz. Natürlich hat sie über das Leben der Männer und Frauen in einem demokratischen, modernen Land einiges und sicher auch Kritisches zu berichten.

Ein schwieriges Leben hat die senegalesische Autorin stark gemacht. Mittlerweile ist sie Trägerin des Grand Prix littéraire de l’Afrique noire und Officier des Arts et des Lettres de la République française. Eine «Schriftstellerin» will sie aber dennoch nicht sein. Sie werde nämlich bloss von den Lesenden als Schriftstellerin wahrgenommen, erlebe sich aber als einfache Erzählerin. Selbst reiche es ihr, wenn man nach ihrem Tod sage, sie sei auch eine Schriftstellerin gewesen – eine gute natürlich.

Ihr erstes Buch «Le Baobab fou» publizierte sie 1982 in Dakar. Er musste aus Sicherheitsgründen unter einem Pseudonym erscheinen. Man habe es damals nicht für möglich gehalten, dass eine Senegalesin, eine Muslimin, eine Afrikanerin vom Dorf, die einer traditionellen Familie entstamme, es wage, über Dinge zu schreiben, die man einfach nicht tut: zum Beispiel über das Marihuana-Rauchen und über den Umgang mit Männern. «Als Frau verletzt man in Senegal aber schon Grenzen, wenn man spricht. Schreiben ist noch etwas ganz anderes», so Ken Bugul.

Die Rollen sind in Afrika klar verteilt. Das Vokabular einer Frau enthält die Wörter und Sätze «Ja», «Es geht gut», «Danke», oder «Brauchst du etwas?». Damit seien Grenzen schnell überschritten. Ein Buch aber, das die Worte für immer festhält und erst noch eine Autobiografie, verschlägt vielen den Atem. Andere aber finden es gut, dass jemand die Stimme erhebt und sagt, was eigentlich alle wissen.

Der Name «Ken Bugul» bedeutet «Niemand will sie» und beschreibt ein Trauma, das die Autorin in ihrem Werk oft einfliessen lässt. Mit fünf Jahren wurde sie von der Mutter verlassen. Dies hinterliess eine Wunde und lebenslange Narbe. Mit «De l’autre côté du regard» hat Ken Bugul aber ein Buch der Versöhnung verfasst. Die Mutter war inzwischen verstorben; das machte eine Auseinandersetzung mit ihr überhaupt möglich.

Kam sich Ken Bugul im europäischen Kulturraum wirklich für eine Zeit lang abhanden, wie eine Kritik beschreibt? Wohl irgendwie schon, sah sie sich doch als Schulkind als Nachfahre der blauäugigen Gallier, sang die Marseillaise und trug am 14. Juli Blau-Weiss-Rot. Sie habe damals frei die eigene Entfremdung geschürt, sagt die stolze Senegalesin, die sich damals die «schwarze Haut am liebsten mit blossen Fingern vom Leib gerissen hätte».

Eine Heimat fand die Afrikanerin in ihrem frei gewählten neuen Lebensraum, dennoch nicht. «Ich kannte die Geschichte, die Kultur, die Kunst…». Doch glücklich wurde Ken Bugul deswegen nicht. «Ihr dort», «da, wo du herkommst» und ähnlich, hiess es nämlich nun. Und sie wurde auf ihr Äusseres reduziert. Sie lernte, eine Schwarze zu sein, nicht ein Objekt, sondern eine schwarze, exotische Frau. Nur: Dies war der Anfang der Hölle, mit Drogenerfahrungen, Männerbeziehungen und einer langen Suche, nach dem, was frau wirklich ist und will.

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Ken Bugul erzählt von Erfahrungen, die in jedem Land der Welt und für jeden Menschen – egal welcher Rasse, welcher Farbe, welchen Geschlechts, welcher religiösen Überzeugung oder welcher sexuellen Ausrichtung – gelten. Man(n)/frau muss zuerst wissen, was er/sie ist und sich selbst akzeptieren. Heimat ist dort, wo man geliebt wird, wo man sich wohl fühlt und Menschen an seiner Seite hat, die einem so nehmen, wie man(n)/frau ist. Mit Sicherheit ist ein Besuch des Gespräches mit Ken Bugul in Zürich, eines jener Erlebnisse, die unser Leben nachhaltig beeinflussen können. Selbst verliebte ich mich in die damals noch «unbekannte» Frau, als ich 1982 ihr erstes Buch «Die Nacht des Baobab» las.

Cornelia Forrer, Redaktionsleiterin

 

Bild: Wikipedia

Link: Literaturhaus Zürich

Seit Anfang August weilt die 1947 geborene senegalesische Schriftstellerin Ken Bugul im Rahmen eines von der Stiftung PWG, vom Verein Writers in Residence und vom Literaturhaus Zürich initiierten Programms in unserer Stadt. Sie ist nicht nur eine der prononciertesten Stimmen der frankofonen afrikanischen Literatur, sondern durch ihr langjähriges Engagement in der NGO International Planned Parenthood Federation auch vertraut mit den politischen und sozialen Problemen Afrikas. In deutscher Übersetzung sind ihre Romane «Die Nacht des Baobab» und «Riwan oder der Sandweg» erschienen.

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