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Am Anfang von Leben und Wissen – Frauen in der alten Kabylei

Auf Einladung des MatriArchivs St. Gallen hält Malika Grasshoff, die auch unter dem Namen Makilam bekannt ist, im Frauenpavillon St. Gallen einen anregenden Vortrag, Sonntag, 7. Juni um 15 Uhr. Dabei wird sie auf die Magie und den Alltag der kabylischen Frauen eingehen und zahlreiche Spuren ihrer matriarchalen Vergangenheit aufdecken.

 

Dr. Malika Grasshoff wuchs bis zu ihrem 17. Altersjahr selbst im algerischen Berggebiet auf. Als Kabylin konnte sie die hoch geachtete Stellung von Frauen in der Kabylei wissenschaftlich belegen. Nach Stationen in Algier und Frankreich lebt sie seit vielen Jahren in Deutschland, blieb ihrer berberischen Kultur aber immer intensiv verbunden. Sie ist Autorin mehrerer Bücher über die Kabylinnen.

Die Kabylei

ist eine gebirgige Region im schluchtenreichen Gebirgszug “Tellatlas” im Norden Algeriens. Einige der Gipfel sind über 2000m hoch, dies brachte ihr den Namen “La Petite Suisse” ein. Dieses Rückzugsgebiet blieb unberührt von der römischen, byzantinischen und arabischen Eroberung und wurde nie christianisiert. Erst ab dem 15. Jahrhundert verbreitete sich langsam der Islam. So haben sich viele Reste des alten berberischen Gewohnheitsrechts und Brauchtums bis zur Gegenwart erhalten. Das traditionelle Kunsthandwerk (Keramik, Silberschmuck, Waffen) hat in Form und Dekor ägäische und syrisch-phönikische Grundmuster mit kosmischer Symbolik bewahrt, die die Kunst der Tuareg und der marokkanischen Berber beeinflussten. Die Töpferwaren der Frauen für den Eigenbedarf werden meist noch in Handarbeit in der so genannten Aufbautechnik gefertigt.

Das sesshafte kabylische Volk

gehört zu den ursprünglich aus Nordafrika stammenden Berbervölkern. Die Bezeichnung Berber geht vermutlich auf die Römer zurück. Sie hielten die ansässigen Stämme für Barbaren, woraus sich die Bezeichnung Berber entwickelte. Die Berber/innen selbst nennen sich “Imazighen”. Die Frauen waren gesellschaftlich von so grosser Bedeutung, dass das gesamte System – mythisch und real – ohne sie nicht funktionieren konnte.

Die gesellschaftliche Organisation

der kabylischen Bevölkerung beruht auf einem ausgeprägten Gemeinschaftssinn und ihr Glaubenssystem definiert sich über lebendige Beziehungen zur Erde, zu den Bäumen, zu den Felsen und zu den Quellen. Dazu gesellen sich besondere Bindungen innerhalb der Familie, angelehnt an die Normen ihrer Vorfahren. “Es gibt keine Priester in dieser Religion, es kann keine geben” schreibt Jean Servier 1990 über die Berber “Jedes Familienoberhaupt, jede Hausherrin besitzt die alleinige Macht, je nach Geschlecht die entsprechenden Riten zu vollziehen, die die Bindung zwischen der ihrer Obhut anvertrauten Gruppe und der Erde bestärkten.”

Kabylisch ist eine Berbersprache,

die noch heute gesprochen aber nie verschriftlicht wurde. Überhaupt gibt es kaum schriftliche Quellen über das kabylische Volk. Die gesamte Tradition wurde mündlich weitergegeben und dabei spielten die Frauen und ihre Rituale eine zentrale Rolle. Seit der Islamisierung und der Kolonialisierung berichteten jedoch vorwiegend weisse Männer über sie. Dies missfiel der Historikerin Malika Grasshoff und sie machte sich an die grosse Aufgabe, ihr Volk und vor allem die Rolle der Frau aus einer indigenen, nicht eurozentrierten Perspektive zu beschreiben.

Frauenpavillon im Stadtpark St. Gallen

Sonntag, 7. Juni, 15.00 Uhr, anschliessend Kaffee und Kuchen

Eintritt frei, Kollekte. Auch Männer sind herzlich willkommen.

Organisation: MatriArchiv – Fachbibliothek für Matriarchatsforschung

Tel. 058 229 23 38, www.matriarchiv.info

Kabylische Frau Foto: Malika Grasshoff

One thought on “Am Anfang von Leben und Wissen – Frauen in der alten Kabylei

  1. Madjid n At Yidir

    Vielen Dank an Malika. Ich hoffe, es werden mehr und mehr solche Frauen geben die das kabylische System (frei von jeglichen Dogmatismus) wiederbeleben können.
    Ich stamme selber aus der Kabylei und sehne mich nach einer freien Kabylei, wo endlich Frau und Mann zusammen Seite an Seite und Hand in Hand, im Einklang mit der Natur, in frieden leben können.
    Es klingt sehr utopisch, wenn man weiß in welchen desolaten Zustand die Kabylei sich Heute befindet.

    Madjid n At Yidir
    Yiwen@boghni.com


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