Appenzeller Volkskundemuseum Stein: Hans Krüsi und das Schattengewächs

Appenzeller Volkskundemuseum Stein: Hans Krüsi und das Schattengewächs

Neben zahlreichen anderen Pflanzen, spielen Farne bei Hans Krüsi (1920 bis 1995) eine wichtige Rolle. Diesen Aspekt  hat das  Appenzeller Volkskundemuseum Stein zum Anlass genommen, um die aktuelle Ausstellung  «Schattengewächse Farn – Hans Krüsi und die Natur» zu organisieren, die bis zum 21. Oktober 2018 zu sehen ist.

Anfänglich  sind die Farne Teil von Krüsis bunten Blumensträussen. In seinen Arbeiten kommt das Schattengewächs in verschiedensten Variationen, wie aufgeklebt, gemalt, gesprayt und schabloniert vor. Farne sind Aufenthaltsorte für Vögel oder zeigen sich in Kombinationen mit Blätter- und Nadelzweigen. In einer späteren Schaffensphase wird der Farn zum überaus farbigen Einzelmotiv. Später dann, als für Krüsi Tiere, Kühe und Fantasiewesen zu wichtigen Motiven werden, beleben Farne den Bildhintergrund, mutieren zu übergrossen Pflanzen oder verwandeln sich in Wolken. Auf seinen Appenzeller Landschaften, Menschen und Kühen werden Blätter, Farne und Zweige zu Blumen.

Gleichzeitig erinnert die Ausstellung an den Art-Brut-Künstler und liebenswerten Sonderling  Hans Krüsi und seine unglaubliche Lebensgeschichte. Es ist die Geschichte eines Waisenknaben, der in den 1980er.Jahren vom sozial randständigen Blumenverkäufer an der Zürcher Bahnhofstrasse zum gefeierten Künstler wird. Noch heute ist sein experimentelles, prozesshaftes  Werk aktuell. Seine Bilder sind im Wesentlichen Lebensausdruck und laden dazu ein, immer wieder neu entdeckt zu werden. Die Ausstellung im Völkerkundemuseum Stein bietet die beste Gelegenheit dazu. Mit den wunderbar zarten Farngebilden von Walter Zellweger, Schwellbrunn, die sozusagen über der ganzen «Krüsi-Präsentation»  schweben, entsteht eine ganz besondere, ja zauberhafte Atmosphäre.

Aufgewachsen im ländlichen Heimatort Speicher, prägt Krüsi das Appenzellerland mit seinen Hügeln, seinen Kühen, seinem Brauchtum und seiner Volkskunst. Auch wenn Hans Krüsi die meiste Zeit seines Lebens in St. Gallen wohnt, fühlt er sich als Appenzeller. Er liebt die Natur und zieht sich  mit der Zeit  oft dahin zurück. Dort fotografiert er und hält als Tonjäger das Summen der Bienen, das Zwitschern der Vögel und das Läuten von Kuhschellen fest. Dabei haben die Landschaften, Kühe und Kuhstreifen für seine Kuhmaschinen in seinen Werken keine Gemeinsamkeiten mit der Appenzeller Volkskunst. Krüsi bleibt eben Krüsi.

Eine liebevolle Erinnerung verbindet die Autorin dieses Textes mit Hans Krüsi. Bei einem seiner Besuche in Herisau konnte ich feine Gespräche mit dem Künstler führen, und das meinerseits in Schriftdeutsch. und ich durfte mich in sein «Vergissmeinicht», wie Hans Krüsi sein Büchlein nannte, eintragen.

Begleitveranstaltungen:

 

Bild: Spritzfarn – Kantonsbibliothek AR, Trogen

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