Art Bodensee 2018: Aktuelle Kunst abseits des Mainstreams

Art Bodensee 2018: Aktuelle Kunst abseits des Mainstreams

Sammler, Kenner und Neueinsteiger in die Kunst versammeln sich von 13. bis 15. Juli bereits zum 18. Mal auf der Art Bodensee in Dornbirn, der einzigen Sommer-Kunstmesse im deutschsprachigen Raum. Knapp 70 Galerien und Kunstinstitutionen scheinen auf der Ausstellerliste auf, darunter fünf Galerien aus Spanien und deren vier aus Frankreich. Neuzugänge sind auch aus Italien und Deutschland zu verzeichnen. Eine Sonderschau der Galerie Hollenstein, ein Skulpturenschwerpunkt des Kunstraum Dornbirn und eine Installation des Künstlerinnen-Duos Fulterer/Scherrer prägen das Rahmenprogramm.

Die Kunstmesse bleibt auch dieses Jahr ihrer Leitlinie treu, zeitgenössische Kunst abseits des Mainstream zu zeigen und zu vermitteln. Das Dornbirner Kunstschaufenster lebt von einem Mix aus überregionalen und heimischen Ausstellern, von namhaften Galerien und Newcomern. Fixstarter aus der Region sind unter anderem die Galerien Arthouse, Feurstein, Maximilian Hutz, am Hofsteig, K12 und die Galerie.Z. Auch die Karl-Heinz Ströhle Art Foundation mit Sitz im liechtensteinischen Triesen nützt das Format im Vierländereck, um sich zu präsentieren. Für die Auswahl der Aussteller zeichnete ein neues dreiköpfiges Beraterinnen-Team aus Projektleiterin Isabella Marte, Architektin Marina Hämmerle und Kulturvermittlerin Ingrid Adamer verantwortlich. Für Marte, die seit 2011 für die Konzeption und Organisation der Art Bodensee die Verantwortung trägt, ist dies übrigens die letzte Ausgabe unter ihrer Ägide. Sie hat die Messe Dornbirn bereits in Richtung Liechtenstein verlassen, wo sie fortan in der Marketingabteilung des Kunstmuseums in Vaduz tätig ist. Ihre Nachfolge bei der Art Bodensee hat interimistisch Marina Stecher übernommen. Die 29-Jährige ist bereits seit 2015 als Projektleiterin für mehrere Messen und Veranstaltungen bei der Messe Dornbirn tätig. Die definitive künstlerische Leitung der wichtigsten Kunstmesse im Bodenseeraum soll im Herbst neu ausgeschrieben werden.

Zeitgenössische Skulptur
Der Kunstraum Dornbirn ist in der kommenden Ausgabe der Art Bodensee mit Skulpturen von zwei prominenten Tiroler Künstlern vertreten. Parallel zu seiner Ausstellung «Clubcannibal» im Kunstraum zeigt Thomas Feuerstein auf der Messe das Edelstahl-Duroplast-Objekt «Deep and Hot». Das Werk des Konzept- und Medienkünstlers ist an der Schnittstelle von Wissenschaft und Philosophie angesiedelt. Eine Vorschau auf die Herbst-Ausstellung im Kunstraum bietet der Bronzeguss von Elmar Trenkwalder. In den monumentalen Objekten des 1959 geborenen Künstlers verschmelzen architektonische Gebilde mit organischen Formen aus der Natur.

Hellsbells
Durch ihre Wandmalereien von überdimensional gezeichneten Frauenkörpern ist das Künstlerinnenduo Gabriele Fulterer und Christine Scherrer bekannt geworden. Für die Art Bodensee realisieren die seit 2007 kooperierenden Künstlerinnen die Installation «hellsbells. vanité. neijiaquan» auf der elliptisch geformten Glasfassade der Halle 10. Das Motiv einer geballten Faust, mit Ringen bewehrt, streckt sich den Besuchern beim Eingang entgegen. Die Geste ist zweideutig – zum Schlag geballt oder geschlossen einen inneren Kampf austragend?

Sonderschau mit textiler Installation
Inmitten der Präsentationen der Galerien ist die Sonderschau eine der Attraktionen der Kunstmesse. Als nicht-kommerzielle Institution wurde diesmal die Lustenauer Galerie Hollenstein eingeladen, eine prominente Fläche in der Halle 11 zu bespielen. Die textile Installation «Epoca 7» ist die erste Kooperation der Künstlerin Selina Reiterer (geboren 1985 in Bregenz) und der Gestalterin Daniela Fetz (geboren 1981 in Au/Bregenzerwald).

Ausgangspunkt von «Epoca 7» waren Recherchen in Material- und Stoffarchiven in Lustenauer Stickereibetrieben: «Bei unserer Recherche haben wir nach einer Möglichkeit gesucht, dem linearen, rasterartigen Modus von klassischen Stickereimustern entgegenzuwirken und in den Archiven nach etwas Organischem, Ungeordnetem gestöbert. Nach etwas, das in Bewegung scheint und Chaos bzw. Fehler zulässt. Wir haben uns die Frage gestellt, wieviel Einfluss man hat auf diesen optimierten, standardisierten Prozess der Textilherstellung und ob man ‚alte Muster‘ durchbrechen kann.» (Reiterer/Fetz)

Dabei stiessen die beiden unter anderem auf das Stickmuster einer Stickmaschine der Schweizer Firma Saurer mit dem Namen «Epoca 7», ein hochmodernes Sticksystem, das mit höchster Produktivität, einfacher Bedienbarkeit und umfangreichen Standardeinstellungen wirbt: «Experimentieren Sie! Optimieren Sie Ihre Produktivität und lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf!» Das (künstlerische) Interesse von Reiterer und Fetz an Materialität, Farbe und Textur von Textilien trifft in Stickmustern wie diesen auf die Anforderungen einer globalisierten Ökonomie. «Epoca 7» ist sowohl Kommentar zur Standardisierung von kreativen Produktionsprozessen, als auch Reaktion auf die spezifische, kleinteilige Architektur einer solchen Messe.

Art Bodensee 2018
13. bis 15. Juli 2018
Messe Dornbirn
Messeplatz 1
A-6854 Dornbirn

Art Bodensee

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