La Vita Nuova – Das neue Leben als Frau

La Vita Nuova – Das neue Leben als Frau

Wir Ostschweizerinnen haben die grosse Freude, die wundervolle Butterfly kennenzulernen. Sie steckt mitten im Transitionsprozess und lässt uns an ihren Gedanken teilhaben, während sie ihren Traum verwirklicht und ihre Erlebnisse in einem Buch festhält.

Der Mann

Die Zuweisung “Mann” stimmte nie mit der weiblichen Geschlechtsidentität von mir überein. Bereits mit drei Jahren spürte ich, dass ich ein Mädchen bin. Ich stellte meiner Mutter oft Fragen zu meinem Geschlechtsteil, weshalb es dort sei, denn ich empfand es als Fremdkörper. Ich spielte in meiner Kindheit viel lieber mit Puppen als mit typischem Jungenspielzeug. Und ich war immer mit den Mädchen und nicht mit den Jungs zusammen. Ich identifizierte mich als weiblich, konnte das meinen Eltern jedoch nicht anvertrauen – aus reiner Angst, sie würden es nicht verstehen. Somit verbrachte ich meine Kindheit und Jugend eher zurückgezogen und ruhig.

1996 lernte ich meinen Partner und heutigen Ehemann kennen. Die ersten Jahre der Beziehung waren sehr schön und uns verband eine grosse Liebe. Aber auch meinem Partner konnte ich meine weibliche Identität nicht anvertrauen. Zu gross war die Angst, er würde es nicht verstehen und mich verlassen. So verdrängte ich diese Gefühle und lebte weiterhin das Leben eines schwulen Mannes. Meine weibliche Identität konnte ich jedoch nicht gänzlich unterdrücken. Sie zeigte sich, in der Art, mich weiblich zu kleiden, und auch mein Verhalten war feminin. Auf Dauer war mir dies aber nicht mehr genug.

Die Diskrepanz

Zu gross war die Diskrepanz zwischen meiner innerlich klar spürbaren weiblichen Identität und der mir durch die Gesellschaft zugeschriebenen Rolle als Mann. Ich verspürte ein grosses Gefühl der Ohnmacht und Traurigkeit, sodass es mir schlicht nicht möglich erschien, so zu leben, wie ich eigentlich bin. Auch die Angst, mich den mir nahestehenden Menschen anzuvertrauen, führte zu einer emotionalen Isolation und ich zog mich entsprechend von meiner Umgebung – und besonders auch von meinem Partner – zurück.

Im Herbst 2016 erlebte ich ein Schlüsselereignis, welches wie der Urknall des Universums verlief. Das Universum ist ein Organismus der lebt und sich ständig verändert und expandiert. Das musste auch mich verändern und wachsen lassen. “Was hat das mit mir zu tun?”, fragte ich mich, als ich den Artikel über das Universum geradezu verschlang und meine Gedanken sich in Raum und Zeit bewegten. “So einen Urknall erlebte doch auch ich?”  Ja ich erlebte den Augenblick der Geburt meines Ichs, so als würde ich tausende Sterne gleichzeitig sehen und sie leuchteten wie ein einzelner Stern.

Yves

Grund war wohl mein bester Freund, der mir am “Tag der Erkenntnis” eine Geschichte über seinen Bruder erzählte. Yves erzählte mir, was dieser Bruder zurzeit macht und wie es ihm erging. Und er zeigte mir ein Foto von ihm: einer Transfrau. Da fiel es mir buchstäblich wie Schuppen von den Augen. Ich informierte mich danach eingehend über das Thema Transformation. Endlich konnte ich die Gefühle einordnen und benennen, die ich bereits seit frühster Kindheit verspürt. Es eröffnete sich mir eine neue Lebensperspektive: “Ich kann leben als Frau!”

In der Folge outete ich mich bei meinem Freund und begann meinen ganz persönlichen (Transitions-)Prozess. Zum ersten Mal nahm ich meine Hormone am 1. Dezember 2017. Ich begann auch, in Teilbereichen als Frau zu leben und seit Juni 2017 auch in der Öffentlichkeit ganz – und damit in allen Bereichen, die man Leben nennt.

Das neue Ich

Am 31. Januar 2018 folgte die amtliche Vornamens- und Nachnamensänderung. Ich bin heute ganz in der weiblichen Rolle angekommen und fühle mich ganz und gar glücklich damit.Problematisch ist für mich aber, dass der offizielle Geschlechtseintrag mich weiterhin auf das männliche Geschlecht festlegt. Diverse Dokumente, die im Alltag eine erhebliche Rolle spielen, lauten immer noch auf das männliche Geschlecht.

Die Anpassung des Vornamens und des amtlichen Geschlechts ist für mich daher wichtig, um den weiteren (Transitions-)Prozess zu erleichtern, sei es bei der Stellensuche oder ganz allgemein für meine Integration in die Gesellschaft. Das Gesuch habe ich am 7. Juli.2018 beim Gericht in Aarau eingereicht. Es war wie eine Erlösung und ich warte gespannt auf das Ergebnis. Auf jeden Fall aber, freue ich mich auf das neue Leben und harre darauf, welche Besonderheiten und strahlenden  Sterne ich noch sehen darf.

 Transfrau Butterfly (Pseudonym) / Themenbild

Link: Der Link wurde von der Redaktion zum Thema eingefügt und hat möglicherweise nichts mit dem gelesenen Artikel der Autorin zu tun.

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