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Lehrplan 21: Genderisierung in der Schule – eine Analyse, gemacht von einem Mann

Lehrplan 21: Genderisierung in der Schule – eine Analyse, gemacht von einem Mann

Der Wortlaut des Lehrplan 21 stellt aus Sicht der Gender-Lobby eine Enttäuschung dar. Doch die „Gleichstellungs“-Anwälte, denen es in Wirklichkeit um die Negierung der Zweigeschlechtlichkeit geht, sind bereits dabei, auf den Umsetzungsprozess Einfluss zu nehmen. Über Lehrmittel und andere sekundäre Steuerungselemente der Schulpolitik soll der feministischen Ideologie schliesslich doch ungehinderte Geltung über die Thematisierung von Geschlecht in der Schule verschafft werden. Und zwar in jedem Kanton, und ganz unabhängig davon, ob der Lehrplan 21 je eingeführt wird.

Mit der Studie „Geschlecht in schulischen Lehrplänen – Massnahmen für einen geschlechtergerechten Unterricht“ hat die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) im März 2015 einerseits eine Bestandsaufnahme des Themas Gender in Schweizer Lehrplänen, und anderseits eine Umsetzungshilfe für den Lehrplan 21 in den Kantonen vorgelegt. In Auftrag gegeben worden war die Analyse von den beiden Basler Halbkantonen. Basierend auf den Befunden des Nationalen Forschungsprogramms NFP 60 zur Gleichstellung der Geschlechter, das die Schweizer Regierung von gender-feministischen Wissenschaftlern ausarbeiten liess (Kommentar unter: http://www.kath.net/news/53790), betonen die Autoren die Wichtigkeit schulischer Gender-Erziehung: „Die tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter ist später umso schwieriger zu realisieren, wenn nicht in der Volksschule bereits dafür eine Basis gelegt wird.“ Das NFP 60 hatte hierzu festgehalten: „Gelingt es den Lehrkräften, den Unterricht geschlechtersensibel zu gestalten, kann bei Mädchen und Jungen das Interesse an Themen, Fächern und Berufen unabhängig von traditionellen Geschlechterstereotypen wie ‘typisch männlich’ oder ‘typisch weiblich’ geweckt werden.“

Lehrplan 21 hin oder her

Auf die Darstellung eines umfassenden Kompetenzaufbaus zu Geschlecht und Gleichstellung wurde im Lehrplan 21 verzichtet, wie die Autoren der FHNW sichtlich enttäuscht feststellen. Doch hätten die Kantone nun die Möglichkeit, auf der Ebene der „sekundären Lehrplanbindung“, d.h. bei der Abstimmung zwischen Lehrplänen und den anderen Steuerungsinstrumenten der Schulpolitik und Schulverwaltung (Begleitmassnahmen und insbesondere Lehrmittel), sicherzustellen, dass einerseits bestehende fortschrittliche kantonale Praktiken möglichst beibehalten werden, und anderseits die Gleichstellungsthematik an den Schulen weiterentwickelt und ausgebaut werden kann. Zu meinen, das Thema Gender finde erst mit dem Lehrplan 21, der in vielen Kantonen im Sommer 2017 eingeführt wird, Eingang in die Schweizer Volksschulen, ist ein weit verbreiteter Irrtum. Der Lehrplan 21 bringt diesbezüglich nur eine Vereinheitlichung, die aus Sicht der FHNW – zumal für manche Kantone wie z.B. Bern, Basel-Landschaft und Luzern – scheinbar auch die Gefahr eines Rückschritts mit sich bringt. In ihrer Lehrplananalyse (Stand 2014) heben die Autoren den Lehrplan der Bildungsdirektoren-Konferenz Zentralschweiz, der aktuell für die Kantone Luzern, Nidwalden, Obwalden, Schwyz, Uri, Wallis und Zug gilt, besonders hervor. Darin würde die Geschlechterthematik „überdurchschnittlich gut berücksichtigt“. So heisst es etwa zur Berufswahlvorbereitung: „Die Jugendlichen sind sich bewusst, dass es für die Berufs- und Schulwahl unabdingbar ist, die eigenen Bedürfnisse und Fähigkeiten sowie geschlechtsspezifische Rollenmuster zu kennen und zu bewerten.“ Schon für die Primarstufe sind im Fachbereich „Mensch und Umwelt“ mehrere Zielsetzungen für den Unterricht genannt, die über einen Geschlechterbezug verfügten. Schliesslich wird auch ein Grobziel definiert, wonach Schüler „die eigene Geschlechtlichkeit bejahen, Toleranz dem anderen Geschlecht gegenüber zeigen und das Rollenverhalten reflektieren“ sollen.

Geschlechtersensibel ja, aber…

Für eine Beurteilung solcher Grundsätze und Lernziele, die in seltenen Fällen dramatisch klingen, ist es wichtig, was mit sogenannt „gendersensiblem“ Unterricht eigentlich konkret bezweckt wird. So etwa gibt es einen himmelweiten Unterschied zwischen dem Appenzell Ausserrhoder Lehrplan, wo es heisst, beide Geschlechter seien „gleichwertig in ihrer Verschiedenheit zu fördern“, und dem Versuch, die Schule für die Ziele eines die Geschlechtsunterschiede nivellierenden Feminismus in Beschlag zu nehmen. Formulierungen wie die aus dem Kanton Bern können auf jeden Fall in diese Richtung interpretiert werden: „Die Schule bereitet Mädchen und Knaben auf ein Leben vor, in dem beide Geschlechter ihren Lebensunterhalt durch den Erwerb verdienen, ihren persönlichen Alltag gestalten und am politischen und kulturellen Leben Anteil haben können.“ In anderen Lehrplänen klingt gar eine Dekonstruktion der Geschlechtsunterschiede an, wenn zumeist auch nur vom „Reflektieren“ über stereotype Geschlechtervorstellungen die Rede ist. Die Wissenschaftler des oben erwähnten NFP 60 gehören klar zu den Anhängern eines egalitaristischen Feminismus, die a priori nicht akzeptieren wollen, dass das unterschiedliche Berufswahlverhalten ebenso wie divergierende Lebensentscheidungen von Jungen und Mädchen auch etwas mit natürlichen, d.h. biologisch angelegten Dispositionen zu tun haben können, und dass folglich der Versuch, dieses Verhalten zu dekonstruieren, nicht zwangsläufig mehr Freiheit mit sich bringt. Im Gegenteil kann der Denk- und Handlungszwang dieses rein materialisch-individualistisch orientierten Feminismus junge Frauen sogar arg unter Druck setzen, wenn diesen die Mutterschaft wider Erwarten (?) doch mehr bedeuten sollte als ein Bruch in der Erwerbslaufbahn. Dies zeigt die starke Zunahme psychischer Erkrankungen gerade bei jungen Frauen im Gender-Vorzeigeland Schweden in den letzten Jahren. Im besten Fall ist das Bemühen einer Erziehung zu absoluter Gleichheit in sozialer Rolle und Beruf ein Kampf gegen Windmühlen; eine nutzlose Zeit- und Geldverschwendung, wie u.a. das Langzeitexperiment Norwegen belegt, wo Jahrzehnte intensiver Gender-Erziehung die ausgeprägte Geschlechter-Segregation auf dem Arbeitsmarkt nicht hat verändern können. Wozu sollte das auch gut sein?

„Wissenschaftsbasiert“ (?!)

Damit zurück zur Frage nach dem Ziel schulischer Gender-Erziehung. Erhellend ist, dass auch aus Sicht der Autoren der FHNW-Studie als störend empfunden wird, dass „viele der allgemeinen Formulierungen zur Geschlechterthematik in den Lehrplänen (…) unterschiedlich bewertet und ausgelegt werden (können)“. Oftmals werde nicht ganz klar, welche Vorstellungen von Gleichstellung ihnen zugrunde lägen. Die Autoren schlagen darum vor, Begriffsbestimmungen sowie „Massnahmen für einen geschlechtergerechten Unterricht (…) auf die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Geschlechter- und Gleichstellungsforschung aufbauen.“ So wird gestützt auf Forschungsergebnisse ein „hoher Dialogbedarf zwischen Fachdidaktik und Gender Studies ausgemacht“ und „sowohl eine ‚Genderisierung‘ der Fachdidaktik als auch eine ‚Didaktisierung‘ der Genderforschung eingefordert“. Das aber ist deswegen sehr bedenklich, weil die universitär etabliert Disziplin der Gender Studies (wie das NFP 60 mit Beteiligung von Expertinnen des Zentrums für Gender Studies der Uni Basel symptomatisch zeigt) Geschlecht einseitig und ausschliesslich als beliebig veränderbare soziale Konstruktion versteht. Diese exklusiv sozialwissenschaftliche, und in dieser Einseitigkeit ideologische Herangehensweise an die komplexe Wirklichkeit der Geschlechter klammert alles verfügbare Wissen, das andere Human- und Naturwissenschaften hier zu bieten hätten, weitgehend aus. Ohne eine in diesem Sinne breite wissenschaftliche Abstützung verkommt aber das schulische Bemühen, Chancengleichheit für Jungen und Mädchen zu schaffen, zu einer gesellschaftspolitischen Zwängerei im Sinne einer Gleichmacherei bzw. zur Indoktrination von Schülerinnen und Schülern. Dass die Autoren der FHNW dies nicht durchschauen, sondern den ideologischen Standpunkt der Gender Studies blindlings übernehmen, zeigt, wie weit die institutionelle Verankerung dieser Denke bereits vorangeschritten ist.

„Lotta boxt, Goran tanzt“

Den Autoren der FHNW ganz besonders ein Dorn im Auge ist, dass die Gender-Thematik beim Fachunterricht für Mathematik, Natur und Technik bisher in keinem kantonalen Lehrplan berücksichtigt wurde. Dieses Manko kann allerdings ganz im Sinne der Autoren über die Lehrmittel als „ein zentrales Bindeglied zwischen Lehrplan und Unterricht“ behoben werden. Lehrmitteln würden bei Lehrplanreformprozessen oftmals zu wenig Beachtung geschenkt, halten die Autoren fest. Die Interkantonale Lehrmittelzentrale ILZ und der Schulverlag Plus scheinen bereits zu reagieren, wenn sie ankündigen, für die neue Lehrmittelserie „NaTech“ (Natur und Technik für die Zyklen 1 und 2) auch fachübergreifende Themen des Lehrplan 21 wie „Geschlechter und Gleichstellung“ zu berücksichtigen. Man darf auf die in den nächsten Monaten erscheinende Reihe sehr gespannt sein. Als positives Lehrmittel-Beispiel erwähnt die FHNW „L’école de l’égalité“ aus der Westschweiz, dessen Teil für Kindergarten und die ersten drei Schuljahre 2008 unter dem Titel „Lotta boxt, Goran tanzt“ im Lehrmittelverlag des Kantons Zürich auch auf Deutsch erschien. Dabei lernen schon 6-jährige Jungen, dass auch sie mit Puppen spielen und Hebamme werden dürfen; Mädchen wird der Weg auf die Feuerwehrleiter und aufs Fussballfeld geebnet. Auch hier wird davon ausgegangen, dass statistisch nachweisbare Verhaltensunterschiede zwischen den Geschlechtern ausschliessliches Ergebnis gesellschaftlicher Prägungen darstellen. So beschweren sich die Westschweizer Autoren schon in der Einleitung, dass in der Schweiz nur 15 Prozent der Mädchen technische oder naturwissenschaftliche Studien absolvieren würden. Die hier betriebene Gleichsetzung von geschlechtsspezifischem Verhalten und Stereotypen zeugt nicht nur von Ignoranz gegenüber naturwissenschaftlich basierter Geschlechterforschung, z.B. der Evolutionsbiologie und der Neurologie, sondern ist aus entwicklungspsychologischer Sicht sogar sehr bedenklich. Wenn Mädchen Prinzessin und Puppenhaus spielen, Jungen aber eher gerne raufen sowie Spiderman und andere Helden nachahmen, steht nicht, wie die Gender-Lobby meint, ihre berufliche Zukunft zur Debatte. Worum es laut namhafter Psychologen hier geht, ist die Bestätigung der eigenen Identität. Und diese beinhaltet nun mal die Zugehörigkeit zu einem der beiden Geschlechter. Findet das im Kindesalter phasenweise besonders ausgeprägte, ja zur Schau gestellte (und durch die Angebote der Spielwarenindustrie zweifelsohne noch befeuerte) klischeehafte Verhalten von Jungen und Mädchen bzw. die dahinter verborgene Identitätsfrage jedoch keine Antwort, laufen die Kinder Gefahr, effektiv in stereotypen Verhaltensweisen gefangen zu bleiben. Die im Kindesalter unbeantwortete existentielle Frage nach der eigenen Identität wird ungelöst aufgeschoben. Ein unreifer Zustand verlängert sich und macht sich später negativ bemerkbar: Mangelnde elterliche Liebe und Bestätigung mag durchaus eine Ursache sein, wenn sich heute viele Mädchen – ganz zum Ärger der Gleichstellungs-Lobby – auch mit 20 noch wie Barby-Püppchen aufführen und männliche Jugendliche (offline oder online) kein reifes Verhältnis zu ihrem Aggressionspotential finden. Dass nun auch die Gender-Lobby durch ihre pädagogisch getarnte Manipulation kindlicher Verhaltensweisen zur Perpetuierung stereotyper Verhaltensweisen beiträgt, ist ein Paradox der besonderen Art.

Schulische Gender-Politik

Weiter bemängelt die Situationsanalyse der FHNW, dass sich in den Deutschschweizer Lehrplänen keine niveaudifferenzierten Kompetenzbeschreibungen zu Gender oder Gleichstellung im Sinne eines Kompetenzaufbaus finden. Es gäbe nur wenige Passagen darüber, welche gleichstellungsbezogenen Lernergebnisse im Unterricht anzustreben seien. Hierzu verweisen sie auf weit umfassendere Modelle über Genderkompetenzen aus Österreich als Richtschnur (Kompetenzenlandkarte 2013): Schüler sollen demnach u.a. über „Wissen bezüglich Geschlechterkonstruktionen“ verfügen. Sie sollen „Haltungen entwickeln, die dem Abbau geschlechterhierarchischer Rollennormen dienlich sind“ sowie „Mitverantwortung für Geschlechtergerechtigkeit übernehmen und in konkreten Situationen entsprechende Werthaltungen einnehmen”. Ferner sollen sie „Handlungen in Richtung Geschlechtergerechtigkeit planen, ausführen, reflektieren, evaluieren und weiterentwickeln“ können. Einerseits fällt hier erneut das konstruktivistische Verständnis von Geschlecht auf. Anderseits entlarven sich vor diesem Hintergrund die anzueignenden Handlungskompetenzen und Werthaltungen klar als Indoktrination. Kinder werden, man kann es nicht anders sagen, zu Aktivisten des radikalen Feminismus erzogen. Um Genderfragen auch noch besser in die allgemeinen Bestrebungen zur Entwicklung der Schulen und des Bildungswesens einzubinden, empfehlen die Autoren schliesslich, in allen Kantonen – analog zu den kantonalen Gleichstellungsbüros – feste Stellenprozente für diesen Bereich zu schaffen um so eine institutionelle Verankerung sicherzustellen. Zudem sei der Aufbau einer kantonsübergreifenden Informations- und Beratungsstelle sinnvoll, um die Koordination unter den Lehrplan-21-Kantonen zum Thema Gender und Schule voranzutreiben. Letzteres wäre ein nicht zu unterschätzender Hebel, Kantone, Schulen und Lehrer durch eine Art schulische Gleichstellungsbehörde zu kontrollieren. Obwohl der Lehrplan 21 aus Sicht der Gender-Lobby enttäuschend ausgefallen ist, ist die Gefahr, dass die Volksschule immer mehr unter den Hammer eines radial-egalitaristischen Feminismus geraten könnte, längst nicht gebannt. Auch in Kantonen, wo der Lehrplan 21 (was auch aus anderen Gründen zu hoffen ist) vielleicht ganz scheitern könnte, wird die Gender-Lobby die Gegebenheiten zu ihren Gunsten auszunutzen versuchen.

Bild: Google-Suche nach Gender und Lehrplan 21

Liebe LeserInnen

Beim Recherchieren bin ich auf die Analyse von Dominik Lusser zum Thema Genderisierung im Lehrplan 21 gestossen. Ich denke, dass jede und jeder, der sich auch nur ansatzweise für das Thema interessiert, den Text gelesen haben sollte. Darum stelle ich ihn für Sie online – ganz ohne eigene Kommentare dazu.

Nur so viel: Es gibt noch viel zu tun!

Liebe Grüsse
Cornelia Forrer
Redaktionsleiterin
ostschweizerinnen.ch

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