Maya Onken stellt das Buch ihrer Mutter vor

Maya Onken stellt das Buch ihrer Mutter vor

Am 20. Oktober 2015 stellte Maya Onken das neue Buch von Julia Onken “Im Garten der neuen Freiheiten” im Haus Atria in Uster im voll besetzten Auditorium vor.


Wenn die Tochter über die Mutter spricht und ihr kritische Fragen stellt, findet ein Dialog statt, der sich sonst hinter verschlossenen Türen abspielt. So war es nicht verwunderlich, dass vor allem die Themen besprochen wurden, die sie beide und alle Frauen gleichermassen interessieren: Der Verlust der Schönheit im Laufe des Älterwerdens. Die Diskussion wurde im Anschluss beim Apéro nochmals vielfältig weitergeführt und es kam zu interessanten Begegnungen unter Frauen – und auch einigen Männern.

Doch fragen wir Maya Onken gleich selbst, Verena Lüthi hat ihr ein paar Fragen gestellt:

Maya Onken, Sie haben das neue Buch Ihrer Mutter vorgestellt. Nun betrifft dessen Thema ja nicht gerade dasjenige Ihrer Altersklasse. Was sagen Sie als jüngere Frau zum Themenbereich des Buches?

All diese Überlegungen zum Verfall der Schönheit und was das mit Frauen macht, ist ja auch für einen jüngeren Menschen wie mich (47 Jahre) bereits spürbar. Es kündigt sich immer wieder an! Es gibt tausend kleine Gelegenheiten, wo auch jüngere Menschen daran erinnert werden, dass ihre körperliche Fitness, ihre Wirkungen auf andere, die Frische im Gesicht sich peu à peu verändern und zwar nicht zum Positiven. Und ich finde die Überlegungen sehr wertvoll, sich für das Kommende zu “wappnen” und anzufangen, Wertvorstellungen zu verändern. Sich bereits im Begriff zu üben, dass je länger je mehr nicht mehr die Aktie Schönheit zählt, sondern die Aktie Weisheit, das innere Bild über sich und sein Können.

So ist denn der Gedanke, dass mit dem Älterwerden der Frau auch die Schönheit allmählich verloren geht, für eine Frau mittleren Alters, tatsächlich ebenfalls ein Thema?

Aber klar ist das ein Thema. Ich kann gut beobachten, wie Frauen sich im Hamsterrad der Beauty Szene herumdrehen, immer mehr Geld für Kleider, Accessoires, Kosmetik und sogenannte “Heilmittel” ausgeben. Und auch Frauen, die sich schon irgendwie auf verschiedenen Ebenen mit dem Älterwerden beschäftigt haben, sei es in Selbstreflexionen in Ausbildungen oder über Literatur oder sogar Beratungsgesprächen, reden immer wieder mal von Botox und dem Wunsch, sich zu verjüngen.

Sie selbst haben zwei Töchter. Wie geht es Ihnen, wenn Sie zuschauen, wie aus den Kindern schöne junge Frauen heranwachsen? Schwingt da auch ein bisschen Wehmut mit?

Momentan kann ich mich einfach daran erfreuen, wenn ich meinen Töchtern in ihrem Aufblühen zusehen darf. Meine älteste Tochter ist bereits 16 Jahre alt, hat tolle weibliche Formen und ich finde sie überwältigend hübsch. Ich möchte mir diese Freude an ihrer Jugendlichkeit und an ihrer auch irgendwie unschuldigen Schönheit unbedingt erhalten. Ob mir das immer und stets Gelingen wird, wird sich noch herausstellen.

Haben Sie auch schon darüber nachgedacht, ob Sie allenfalls bereit wären, sich später einmal zum Erhalt Ihrer Jugendlichkeit unter das Messer zu legen?

Was heisst hier später (lacht). Ich habe nach der Geburt meiner zweiten Tochter immer wieder den heissen Wunsch in mir gespürt, den Bauch, der einfach nicht wieder straff wie früher werden wollte, sozusagen, den Überhänger, einfach abzuschneiden. Doch zum Glück habe ich auch eine Vernunftstimme in mir, die sagt, dass ich mich lieber damit anfreunden oder einfach mehr Sport betreiben sollte. Zur Zeit habe ich keine Pläne, weder für Botox noch sonstige chirurgischen Korrekturen. Und ich habe auch nicht vor, das zu ändern. Aber das sage ich heute, wo ich noch keinen grossen Leidensdruck verspüre. Ich weiss nicht, wie ich in 10 Jahren darüber denke.

Nun ist ja Ihre Mutter mit 73 Jahren in einem Alter, in dem die meisten Menschen bereits in Rente sind. Bei Julia Onken jedoch hat man den Eindruck, sie denke nicht entfernt ans Aufhören und an Ruhestand. Ist das für Sie eher ein Vorbild oder ein abschreckendes Beispiel, so nach dem Motto: so wie meine Mutter möchte ich nie werden?

Ich finde es eigentlich toll, wenn Menschen über das Pensionsalter aktiv bleiben und das tun, was sie am liebsten machen. Ob das nun ein Seminar führen, Bücher schreiben und Unterrichten ist oder Rosen züchten und Fotografieren, ist für mich nicht relevant. Somit weiss ich von mir, dass dies ein Altersziel von mir ist: aktiv bleiben und das Tun, was ich gerne mache: Schreiben, Reden, Denken und Tanzen.

Sie schreiben wie Ihre Mutter Bücher; Sie halten Vorträge, wie Ihre Mutter; Sie leiten eine Schule, wie Ihre Mutter. Stehen Sie da nicht ständig unter Vergleichszwang mit ihr?

Das ist lustig, das werde ich oft gefragt und immer staune ich erst eine Sekunde darüber. Denn ich empfinde mich immer als eigenständiges, unabhängiges Wesen. Aber dann wird mir klar, dass die ANDEREN mich vergleichen und das ist für mich okay so. Ich habe viel von meiner Mutter “geerbt” und übernommen, wie die Leichtigkeit, vor Publikum zu stehen oder virtuos mit Worten zu jonglieren. Und doch habe ich auch so ganz Anderes in mir, z.B. mein verpöntes Tempo, das vielen zu schnell ist und mein Drang nach Bewegung und vieles mehr.

In welchen Bereichen unterscheiden Sie sich ganz deutlich? Ihre Mutter z.B. setzt den inhaltlichen Schwerpunkt des Frauenseminars Bodensee auf Psychologie und Philosophie. In Ihrer neu gegründete Schule Onken Academy weht da doch ein etwas anderer Wind?

Meine Schwerpunkte liegen ganz eindeutig in der Kursleitung und im Coaching. Da schlägt mein Herzblut, wenn ich meinen Teilnehmerinnen beibringen darf, wie sie andere zu einer Lösung begleiten oder wie sie gekonnt und kompetent vor eine Klasse stehen  und einen sauguten, spannenden und lehrreichen Unterricht machen.

Verraten Sie uns noch zum Schluss, wo Sie Ähnlichkeiten mit Ihrer Mutter erkennen? Verfügen Sie über dieselben Stärken oder leiden Sie an den gleichen Schwächen wie sie?

Wie meine Mutter kann ich schwierige Dinge einfach erklären, denke gerne tiefschichtig, bin offen und wertschätzend den Menschen gegenüber, freue mich über Potenzialentfaltung und kreiere gerne Neues. Wir leiden beide an der Schwäche für Süsses und haben wenig Ahnung von Technik.

Gibt es in Ihren Augen einen typischen Mutter-Tochter-Konflikt, der auf beide lähmend wirkt?

Ja, das ist unsere unterschiedliche Art, Entscheidungen zu treffen. Zweifellos eine Prägung aus unsere Geschwisterreihenposition. Meine Mutter ist die Jüngste und nimmt die Dinge manchmal ziemlich locker, lässt sich viel Zeit über etwas nachzudenken, tausendmal darüber brüten und hundertmal überschlafen. Ich bin die Älteste und fühle mich für alles verantwortlich. Ausserdem liebe ich das rasche Vorwärtskommen (was mir im Verkehr schon zweimal den Fahrausweis gekostet hat), ich schätze rasche Entscheidungen, schlafe einmal drüber und, ruckzuck, am nächsten Tag ist das Projekt schon in der Umsetzung. Zu Recht wirft mir meine Mutter dann Schnellschüsse und übereilige Entscheidungen vor.

Wie kann sich eine Mutter-Tochter-Beziehung für beide unterstützend und bereichernd auswirken?

Wenn Mütter ihre Töchter “gross” werden lassen, sie ganz auf ihre Weise dennoch unterstützen, auch wenn sie es anders gemacht hätten. Und wenn Töchter ihre Mütter auch ins Alter hinein begleiten, als Anwältin ihrer Würde und ihrem Recht, die Dinge so zu entscheiden, wie sie es gerne hätte.

Weiteres im Artikel vom 30. September

https://www.ostschweizerinnen.ch/neues-buch-von-julia-onken/

Hauptbild: Julia Onken und Verena Lüthi anlässlich der Buchpräsentation

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