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Wenn Frauen zuhause versauern und ihre Fähigkeiten nur im Ehrenamt einbringen können

Wenn Frauen zuhause versauern und ihre Fähigkeiten nur im Ehrenamt einbringen können

Im vergangenen Jahr haben es neun Frauen frisch in die Geschäftsleitung der 100 grössten Schweizer Firmen geschafft. Der Frauenanteil hat trotzdem nicht zugenommen. Wie der jährliche Schilling-Report 2018 zeigt, fiel er von 8 auf 7 Prozent. Der Grund: Zugleich sind elf Frauen ausgestiegen. Doch warum hält es die Frauen nicht im Topmanagement?


«Bei den Abgängen gibt es kein einheitliches Muster», sagt Headhunter Guido Schilling zu 20 Minuten. Einige haben sich selbstständig gemacht, andere seien in kleinere Unternehmen gewechselt. Ausserdem seien Frauen in der Geschäftsleitung oft für Servicefunktionen zuständig wie Personal oder Kommunikation. «Und diese Posten werden bei CEO-Wechseln leicht ausgetauscht oder fliegen aus der Unternehmensleitung.»

Frauen landen aus Verzweiflung beim Ehrenamt

Ganz generell ärgert Schilling, dass das Potenzial der Frauen in der Schweiz von der Wirtschaft nicht ausgeschöpft werde. «Es gibt kein Land in Europa mit so vielen gut ausgebildeten Frauen, die Teilzeit arbeiten und zu Hause versauern. Sie können in untergeordneten Jobs ihr Potenzial kaum ausschöpfen, weil die wenigsten Firmen Programme haben, um sie nach der Familienpause der Ausbildung entsprechend wieder zu integrieren.»

In mittelständischen Schweizer Unternehmen ist nur knapp jedes fünfte Geschäftsleitungsmitglied eine Frau, wie eine Studie der Beratungsfirma EY zeigt. «Um die anstehenden Herausforderungen – gerade auch durch die Digitalisierung – zu meistern, sind gemischte Teams wichtig», sagt EY-Managerin Robin Errico. Unternehmen mit mehr Frauen in Führungspositionen hätten klare Vorteile auf dem Markt. Auch seien die Mitarbeitenden engagierter und die Firmenkultur sei offener.

Mehrheit der Maturanden ist weiblich

Schilling kritisiert, dass die Schweizer Wirtschaft zu viele Frauen verliert. Immerhin sei die Mehrheit der Maturanden weiblich. Beim Aufstieg von Frauen ins Topmanagement hapert es laut Schilling an einem entscheidenden Punkt: 8 von 10 freien Geschäftsleitungs-Posten werden intern besetzt. «Frauen haben da meistens keine Chance, weil in Firmen bis auf die zweitoberste Ebene noch zu wenig Frauen entwickelt wurden», betont Schilling. Deshalb kommen 8 von 10 Frauen in einer Geschäftsleitung von extern.

Soll der Frauenanteil ganz oben steigen, müssen Firmen also für weiblichen Nachwuchs in ihrem eigenen Haus sorgen und in Frauenförderprogramme investieren. Das braucht Zeit: «Ein Mann braucht in der Regel 17 Jahre in einer Firma, um es dort vom Berufsanfänger Schritt für Schritt in die Geschäftsleitung zu schaffen», erklärt Schilling.

Quelle 20 Minuten

Frau Heimgartner*, im öffentlichen Sektor ist der Frauenanteil im Topkader im Gegensatz zur Wirtschaft viel höher – wieso?
Öffentliche Betriebe haben eine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft allgemein. Das heisst auch, dass Diversity-Prinzipien, wie Frauenförderung, konsequent umgesetzt werden.

Gibt es auch Arbeitsbedingungen, die Beruf und Familie besser in Einklang bringen?
Arbeitsbedingungen sind ein sehr wichtiges Element – denn einfach meinen, mit einer Frauenquote sei das Thema erledigt, greift viel zu kurz. Ein Beispiel: Es hilft, wenn Sitzungen nicht konsequent auf 8 Uhr gelegt werden, dann wenn Eltern die Kinder zur Krippe bringen. Es geht um eine andere Art von Führung und Kultur.

Schaffen die Frauen den Durchbruch?
Da bin ich zuversichtlich. Frauen sind bereit für ihre Karriere zu kämpfen. Und darauf zu insistieren, dass sich das mit einer Familie vereinbaren lässt. Knackpunkt dabei: Für Frauen und Männer darf Teilzeitarbeit keine Karrierebremse mehr sein.

*Ladina Heimgartner ist stv SRG-Generaldirektorin

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