Werden wie meine Mutter? Niemals!

Werden wie meine Mutter? Niemals!

Nächsten Sonntag ist Muttertag. Viele Töchter kommen bei dieser Gelegenheit zum Schluss: «Werden wie meine Mutter? Niemals!» Was ist mit diesen Frauen los? Weshalb gehen Töchter derart auf Distanz? Lieben sie ihre Mütter denn nicht?

von Julia Onken

An mangelnder Liebe liegen die Vorbehalte nicht. Viele Töchter haben kein Problem mit der Person ihrer Mutter, sondern mit deren Rolle und der damit verbundenen Reputation. Denn nur wenige hatten das Vergnügen, ihre Mutter als selbstbewusste und selbstbestimmte Frau zu erleben. Sie bekommen oft genug live mit, wie schwierig der Balanceakt ist, Kinder grosszuziehen und parallel dazu erfüllt einem Beruf nachzugehen.

Andere Mütter verschreiben sich der Familienarbeit ganz, geben sich rundum mit ihrer Rolle als Familienfrau einverstanden und zufrieden. Mit dem Eintritt ins AHV-Alter erhalten sie dafür aber eine bittere Quittung. Denn so gross und lang ihr Einsatz auch war, er wird mit einer beschämend geringen Rente vergütet. Hauptakteure in anderen Bereichen erhalten Anerkennung und die grösste Gage – die Mutter- Frau aber geht leer aus. Wertschätzung für eine derart verantwortungsvolle und langjährige Aufgabe sieht anders aus.

Auch dieses Modell schwächelt, ist nur bedingt erstrebenswert. Spätestens wenn die Töchter den Ergänzungsleistungsantrag ihrer Mütter ausfüllen, dämmert es ihnen – und der Entschluss ist gefasst: Diese Demütigung wollen sie sich ersparen.

Deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn Töchter zum Schluss kommen: «Nein danke. Mit mir nicht.»

Hauptbild: Julia Onken mit Tochter Maya Onken

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