Selten und äusserst sehenswert: Eine Wiese voller Knabenkraut

Selten und äusserst sehenswert: Eine Wiese voller Knabenkraut

Nach einem eher mageren 2017 entfaltet sich die Natur 2018 in opulenter Pracht. Gräser, Pflanzen, Wiesenblumen und die Blumen im Garten sind wunderschön anzuschauen. Und das gilt auch für die kleine Orchidee mit Namen «Breitblättriges Knabenkraut». Sie hat sich im Gartenareal von Vreni und Werner Steingruber in Hundwil prächtig vermehrt und blüht purpurrot mit einem Stich ins Lila.

Vor ungefähr acht Jahren entdeckte Werner Steingruber das erste Knabenkraut in seinem Gartenarial. «Ich wusste, dass diese kleine Orchidee geschützt ist. Seither habe ich ihr gezielt meine Aufmerksamkeit geschenkt  und so gut es eben geht auch auf die Vermehrung geachtet. Mittlerweile blühen 20 Exemplare. Um den Samen besser zu verbreiten, was grösstenteils durch den Wind geschieht, mähe ich das Gras rundherum erst in der ersten Hälfte Juli», erklärt Werner Steinguber. Die Vermehrung erfolgt entweder über Samen oder das Wachstum von mehr als einer Tochterknolle  pro Jahr. Die Samen sind sehr kleine (wie Staubkörnchen)  und mit blossem Auge kaum als solche zu erkennen. Der Same enthält keinerlei Nährgewebe für den Keimling. Eine Keimung kann nur mit Hilfe eines speziellen Wurzelpilz (Mykorrhiza) erfolgen.

Zwar ist das «Breitblättrige Knabenkraut» in manchen Regionen noch häufiger anzutreffen, doch eine deutliche Lücke befindet sich südlich der Aare zwischen Aarau und dem Neuenburger See. Vor rund 30 Jahren wurde das «Breitblättrige Knabenkraut» zur Orchidee des Jahres gewählt. Und die Loki Schmidt Stiftung wählte die Pflanze 1994 zur Blume des Jahres. Damit soll die Öffentlichkeit auf seine Schutzwürdigkeit hingewiesen werden.

Das «Breitblättrige Knabenkraut» wird auch «Breitblättriger Fingerwurz» genannt. Sein lateinischer Name lauter Dactylorhiza majalis, und der weist gleichzeitig auf den Blütemonat Mai hin (majalis «auf den Mai bezogen») Dementsprechend beginnt die Blütezeit in tieferen Lagen bereits Anfang Mai und endet in höheren Lagen Ende Juli.

Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich in Europa von den Pyrenäen bis zum Baltikum und an den Don und ausserhalb Europas bis Sibirien. Südlich der Alpen kommt das «Breitblättrige Knabenkraut» nicht vor. Es braucht feuchten, nicht allzu nährstoffarmen Boden und besiedelt Flachmoore, Sumpfwiesen.  und lichte Auwälder. In den Alpen steigt es bis über 2000 Meter auf.

Seit geraumer Zeit nehmen die Bestände dieser Art wie bei vielen Pflanzen der Feuchtwiesen ab. Hauptursache sind Stickstoffeintrag durch Düngung, Trockenlegen der Standorte und intensive Beweidung. Das «Breitblättrige Knabenkraut» reagiert nicht so empfindlich auf die Veränderung der Standorte wie zum Beispiel das «Fleischfarbene Knabenkraut», mit dem es sich die Standorte gelegentlich teilt. Es verschwindet meist als letzte der heimischen Orchideen. Und dass diese kleine Orchidee nicht verschwindet, dazu ist die Öffentlichkeit aufgerufen, ihren Beitrag zu leisten.

Bild: Geschützt und selten geworden: ein «Breitblättriges Knabenkraut».

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